Mahlertshof 4 • 36151 Burghaun

Indikationsgruppe “arbeitslos”

Arbeitslosigkeit ist eine zusätzliche psychische und soziale Belastung, die für den Betroffenen eine Lebenskrise bedeuten kann. Anhand unserer klinikinternen Statistik konnten wir feststellen, dass ca. 30-35 % der Patienten, die sich in Behandlung befanden oder befunden haben, von Arbeitslosigkeit betroffen waren. Die höchste Arbeitslosenquote liegt bei den über 45jährigen. Von den Betroffenen waren 5 % als “Langzeitarbeitslose” zu bezeichnen, für die eine evtl. Adaptionsbehandlung in Frage kam. Für die verbleibenden ca. 65% war das Thema Arbeitslosigkeit ständig latent  vorhanden. Aufgrund der Annahme, dieses Problem könne erst nach der stationären Therapie angegangen werden, wurde das Thema jedoch während der Behandlung oft innerlich zur Seite geschoben. Dies hat sich als ein häufig folgenschwerer Irrtum für viele Patienten herausgestellt.

Wir sehen es als eine wichtige Aufgabe, unseren Patienten soziale Kompetenzen zu vermitteln, die es ihnen ermöglichen, einen neuen Arbeitsplatz zu erwerben.

Zusätzlich zu der normalen Kompetenzvermittlung, die unter psychologischer Anleitung erfolgt, werden die aktuellen technischen Möglichkeiten, wie Onlinedienste des Arbeitsamts und privater Anbieter genutzt. Dafür werden PCs innerhalb unserer Klinik zur Verfügung gestellt, die an diese Onlinedienste angeschlossen sind. Hierdurch werden gleichzeitig Ängste bei vielen Patienten im Umgang mit der EDV abgebaut.

Indikationsgruppe: Erfahrungen mit Gewalt und Sexualität

Die öffentliche Meinung, dass Gewaltausübung ein „männliches“ Problem ist, beruht nicht zuletzt auf der Tatsache, dass 80% der inhaftierten Gewalttäter männlichen Geschlechts sind. Das Öffentlichkeitsbild „des Mannes“ wird ergänzt durch die enthemmende Wirkung von Alkohol bei Gewaltanwendung. Unter der Annahme, dass unsere Patienten oft an eben diesem zum Selbstverständnis gewordenen Öffentlichkeitsbild gescheitert sind, es notwendig, das Selbstbild der Männer zu hinterfragen. Deshalb muss  in diesem therapeutischen Bereich der Umgang mit und die Erfahrung von Gewalt als mögliches (eventuell erworbenes) Persönlichkeitsmerkmal thematisiert werden. Im Vordergrund steht dann die Frage, ob sich die Bereiche Sexualität und Gewalt zugleich im Rahmen einer Therapiegruppe nebeneinander stellen und entsprechend thematisieren lassen. Aufgrund unserer vorliegenden Erfahrungen, die uns dazu bewogen haben, diesen Komplex überhaupt aufzugreifen, können wir diese Frage positiv beantworten.

Die weiter vorn schon angesprochenen Missbrauchserfahrungen im Bereich der Sexualität sind immer unter Androhung von psychischer und/oder physischer Gewalt erfolgt.

Im Rahmen dieses Gruppenangebotes, welches zunächst in Form einer themenzentrierten Gruppe stattfindet, steht als erster Punkt die Erarbeitung einer gemeinsamen Definition von Gewalt an, ohne dass es zu einer Ausuferung des Gewaltbegriffes kommt. Hier hat die Klärung des möglichen Zusammenhangs aber auch die Abgrenzung von Aggression zu erfolgen.

Als nächstes Therapieziel steht die Auseinandersetzung mit eigenen Gewalterfahrungen im Vordergrund. Der Gruppenteilnehmer soll die möglichen Auswirkungen dieser Erfahrung auf die eigene Entwicklung bzw. die eigene Einstellung und den eigenen Umgangs mit Gewalt erkennen. Gleichzeitig soll die Erfahrung des selbst erlebten  Leides eine Sensibilität herstellen, um eine veränderte Einstellung zur Gewaltausübung gegenüber dritten zu bewirken.

Gerade in diesen Bereichen wird deutlich, dass eine Trennung von Gewalt und Sexualität im Komplex des Missbrauchs künstlich wäre.

Bei der weiteren Bearbeitung dieser Thematik geht es darum, diese Auswirkungen auf die  eigene Persönlichkeit unter veränderten Gesichtspunkten zu realisieren und soweit wie möglich  in seinem Selbstverständnis zu integrieren.

Mit dem Mittel des soziodramatischen Rollenspiels wird es möglich, andere  Konfliktlösungsmöglichkeiten als Gewalt kennen zulernen und einzuüben.

Diese Indikationsgruppe wird von einem männlichen Gruppentherapeuten geleitet.